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Anmerkungen

22.11.2011, von Leni

Bildungsreform

Würde ein Psychiater heute noch seine Patienten niederspritzen und wahllos Elektroschocks anwenden, wäre er ein Fall für das Strafgericht. Schließlich hat sich der Stand der Wissenschaft in den letzten 50 Jahren gewaltig geändert, was auch Eingang in die Praxis gefunden hat. Wie aber schaut es im Bildunsbereich aus: Schule Wird nicht mit veralteten Konzepten, Strukturen und Zielsetzungen gearbeitet? Frontalunterricht, zu große Schüleranzahl pro Klasse, nicht entrümpelter Stoff und sozialspezifische Selektion. Zentralere Steuerung Gerade in Deutschland besteht eine Regelung, die es den Ländern ermöglicht, wesentliche Schulbelange nach eigenem Gutdünken zu regeln. SchülerInnen aus Brandenburg treffen auf andere Bedingungen als die bayerischen oder ostfriesischen. Weshalb es länderspezifische Differenzierungen geben muss, kann nicht überzeugend argumentiert werden. Budget Eine Bildungsreform macht die Schule nicht billiger, sie wird vordergründig zunächst mehr kosten. Während große Teile der Bevölkerung für eine Verbesserung des Systems sind, ist das Problem der Finanzierung einer Bildungsreform nicht so ohne weiteres zu lösen. Gegen höhere Treibstoffpreise wehren sich Autofahrer- und Spediteurlobbies, Arbeitnehmer und Wirtschaftstreibende sind ebenso organisiert wie Pensionisten und können so ihre Interessen wahrnehmen. Wer aber würde auf eine Schülerlobby hören? Auch Lehrervereinigungen bleiben ungehört, da Lehrer sowieso in dem Ruf stehen, über (zu) angenehme Arbeitsbedingungen zu verfügen. Außerdem sind viele Unterrichtende alles andere als Veränderungen gegenüber aufgeschlossen. Dass in 15, 20 Jahren die Investition in Bildung sich "amortisiert" hätte, fällt nicht ins Gewicht, zumal sich das volkswirtschaftliche Ergebnis nicht ohne weiteres eindeutig auf einzelne Ursachen zurückführen läßt. Und: Wie viele PolitikerInnen agieren mit einem Weitblick, der die jeweilige Legislaturperiode übersteigt?

Beseitigung schichtspezifischer Benachteiligung

Von Chancengleichheit quer durch die sozialen Schichten und unabhängig von einem allfälligen Migrationshintergrund kann in der Bundesrepublik nicht die Rede sein: Nach wie vor bringen Akademikerhaushalte wesentlich mehr Kinder mit Abitur und Hochschulabschluss hervor als benachteiligte Familien. Dieser Befund ist allerdings nicht auf Deutschland beschränkt sondern beispielsweise im benachbarten Österreich gleichermaßen gültig. Die Stimme des Volkes In Österreich wurde im November 2011 ein "Bildungsvolksbegehren", initiiert vom ehemaligen SPÖ-Vizekanzler Androsch, abgeschlossen. Bei etwa 6,3 Millionen Wahlberechtigten, fanden weniger als 400.000 den Weg zur Unterschrift. Allerdings hilft ein solches Instrument der direkten Demokratie, das Thema vor dem Vergessen zu bewahren.

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